Wie Mittelständler versteckte Ressourcen mobilisieren
Cover: Wie Mittelständler versteckte Ressourcen mobilisieren
ISBN: 3589236531
Verlag: Cornelsen

Steigern Sie ihr Ertragspotenzial

Aus dem Buch ...
Inhaltsverzeichnis
Vision & Strategie
Ertragspotenzial steigern
Außendienst überlastet?
Gute & schlechte Kosten
Simplify your Company
Suchen Sie nach den richtigen Neukunden

Die regelmäßige Gewinnung neuer Kunden sollte ein wesentliches Element jeder Unternehmensstrategie sein, um die Verluste aus dem Bestand zu kompensieren. Allerdings ist die Gewinnung von neuen Kunden ein langwieriger und aufwändiger Prozess. Um kurzfristig spürbare Umsatzeffekte zu erzielen, reicht es nicht, wenn die vorhandenen Verkäufer zusätzlich zur Sicherung und Weiterentwicklung des Bestandsgeschäft noch Neukundengewinnung betreiben. Denn gute Verkäufer kennen den Mehraufwand für die Gewinnung eines Neukunden sehr genau und finden deshalb viele Gründe, dieses Geschäftsfeld zu vernachlässigen. Bilden Sie deshalb ein separates Neukunden-Team. Dieses bekommt die Aufgabe, sich auf so genannte Quick-Wins, also schnelle Abschlüsse, zu konzentrieren.
Dabei helfen die nachfolgenden Grundsätze der Neukunden-Gewinnung:

  • Kunden zurück zu gewinnen ist einfacher als neue Geschäfte anzubahnen
  • Einfache Entscheidungswege und direkter Ansprache des Entscheiders erleichtern das Geschäft
  • Suchen Sie Kriterien, die auf einen möglichst kurzen Entscheidungszeitraum hinweisen
  • Wählen Sie Zielgruppen mit hohem Umsatzpotenzial
  • Bilden Sie möglichst kleine, homogene Gruppen und arbeiten diese nacheinander ab
  • Achten Sie auf möglichst einfache und preiswerte Möglichkeiten der Ansprache
  • Testen Sie mehrere Gruppierungen und wählen die mit der höchsten Reagierer-Quote
Um die Zielgruppe weiter einzugrenzen, empfiehlt sich die Anwendung des von Willi Bayer entwickelten Kunden-Radars.
Damit haben Sie gleichzeitig ein Instrument zur Verfügung, welches Ihnen in einer sehr frühen Phase des Interessentengesprächs zeigt, wie weit dieser Kontakt Ihren Zielen entspricht und ob es sich lohnt, ihn weiter zu verfolgen.
Für die Erstellung eines Neukunden-Radars diskutieren Sie im Projektteam, welche Kriterien in Ihrem Geschäft ein Quick-Win haben sollte. Lassen Sie die letzten Abschlüsse Revue passieren und notieren die Gemeinsamkeiten. Welche Merkmale führten zu einer schnellen Entscheidung, wodurch zeichnen sich besonders gehaltvolle Neugeschäfte aus.
Im nächsten Schritt führen Sie eine Bewertung durch und selektieren die zehn wichtigsten Kriterien. Notieren Sie zu jedem Kennzeichen, mit welcher Frage oder auf welchem Weg diese Information am Einfachsten zu ermitteln ist. Verwenden Sie diese Fragen bei Ihren Erstgesprächen, auf Messen, Veranstaltungen und bei Ihren Telefonaten.
Vergeben Sie für jedes Merkmal je nach Erfüllungsgrad bis zu drei Punkte. Wenn Sie alle Punkte kumulieren, erhalten Sie das Quick-Win-Potenzial. Falls Sie eine Excel-Tabelle verwenden, wählen Sie im Diagramm-Assistenten den Diagramm-Typ "Netz" aus und erhalten eine grafische Darstellung des Quick-Win- Potenzials.

 Quick-Win Kriterium  erzielte Punktzahl
Innovativ 2,5
Bonität 2,0
Ländliche Gemeinde 1,5
Mitglied im Landesverband 3,0
Zwischen 15 und 30 Mitarbeiter 1,5
Textileinzelhandel 3,0
Damen-Ober-Bekleidung 3,0
Filialist 3,0
häufiger Deko-Wechsel 3,0
Familienbetrieb 0,0
Herstellerunabhängig 3,0
Betriebsübergabe steht an 1,0
Quick-Win Potenzial (Max. 30) 26,5
        

Abbildung: Kunden-Radar (Quelle: www.fly-higher.com)


Setzen Sie die Cinderella-Brille auf

Wenn Sie den Eindruck haben, in Ihrer Branche sind schon alle tragfähigen Zielgruppen besetzt und Sie bei jedem Interessentenbesuch den Kollegen von der Konkurrenz begegnen, setzen Sie einmal die Cinderella-Brille auf. Aschenputtel war wesentlich hübscher, als es in der täglichen Arbeit den Anschein hatte. Kehren Sie deshalb ihr Denken um und suchen bewusst nach Kunden, die wirklich keiner möchte. Den Schwarzen Schafen, die nicht zahlen; den ewigen Interessenten, die sich nicht entscheiden können oder den Abnehmern von Kleinstmengen, die aber keine Transportkosten zahlen wollen.
Oft wird das Ertragspotential dieser potentiellen Kunden erst sichtbar, wenn Sie einmal den Umsatz auf die durchschnittliche Bindungsdauer kumulieren. Aus 100 Euro pro Monat werden schnell mehrere Tausend Euro.
Erweitern Sie also Ihren Sichtwinkel:
  • Welche Kundengruppen sind für unser Produkt zu klein?
  • Welche Kunden wollen wir in keinem Fall?
  • Welche Kunden treiben uns immer zur Verzweiflung?
  • Für welche Kundengruppen sind wir bisher überhaupt nicht ausgelegt?
  • Welche Kunden hat die Konkurrenz so fest in der Hand, dass wir nicht einmal davon träumen würden, diese abzulösen?
  • Wer hat unser Produkt bestimmt nicht nötig?
Suchen Sie nach passenden Lösungen. Wenn Sie es schaffen, Kleinstabnehmer über Sammelbestellungen zu bündeln oder zu einer Lagerhaltung zu bewegen, fallen die Transportkosten nicht mehr ins Gewicht. Bemühen Sie sich um die richtige Sprache und den richtigen Auftritt. Mit Ärzten sollte ein Arzt sprechen, mit Rechtsanwälten ein Anwalt. Und vielleicht könnten Sie die Zielgruppe der Langzeitarbeitslosen mit einem bisher arbeitslosen Verkäufer besser erreichen. Falls Sie von vorneherein wissen, dass eine Firma sich Ihr Produkt nicht leisten kann, suchen Sie nach Abnehmern für seine Ware und bieten ein Tauschgeschäft an.
Mit der Cinderella-Brille entdecken Sie vielleicht auch Gruppen, von denen Sie bisher annahmen, dass gar kein Bedarf vorliegt. Aber wer sagt denn, dass Windeln nur für Babys sind. Im Gegenteil, inzwischen haben die Windelhersteller Senioren als eine große, ständig wachsende Zielgruppe erkannt und sich darauf eingestellt.


Gehen Sie mit Mikromarketing in die Tiefe

Klassische Werbung zielt darauf, eine möglichst große Anzahl von Interessenten zu möglichst geringen Kosten pro Kontakt anzusprechen. Bei der zielgruppengerechten Segmentierung wird die Anzahl der in Frage kommenden Kontakte schon vor Start einer Kampagne stark eingeschränkt. Durch diese Restriktion steht rein rechnerisch je Interessentenadresse ein größeres Budget zur Verfügung. Gleichzeitig kann die Ansprache wesentlich persönlicher erfolgen, da alle Entscheidungsträger einer Zielgruppe per Definition gemeinsame Merkmale besitzen. Mikromarketing spitzt diesen Weg bis ins Extreme zu. Die Grundidee des Mikromarketings lautet:
Angenommen, Sie dürften maximal zwanzig Menschen kontaktieren, um sie von Ihren Produkten zu überzeugen. In diesem Fall würden Sie sich natürlich auf die wirklichen Schlüsselpersonen zur Erschließung des Marktes konzentrieren.
Diese zwanzig Entscheider und Multiplikatoren repräsentieren in vielen Branchen den Zugang zu 40, 50 oder 60 % des gesamten Umsatzvolumens. Wenn dem so ist, sollten Sie den Kontakt zu dieser Mikro-Zielgruppe sofort intensivieren. Anstatt mit einer Schrotflinte auf Kleinwild zu jagen, greifen Sie beim Mikromarketing zu einer Elefantenbüchse. Klappern Sie nicht 1.000 Baumärkte nacheinander ab, sondern konzentrieren sich auf den richtigen Entscheider in der Zentrale der jeweiligen Kette.
Wenn Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf eine äußerst kleine Gruppe von Personen richten, können Sie ganz anders vorgehen und viel mehr erreichen. Es geht nicht mehr darum, Briefe zu schreiben, sondern eine konkrete Zielperson zu kontaktieren. Finden Sie heraus, welche Veranstaltung sie besucht, wo sie essen geht oder in welchen Kreisen sie verkehrt. Und schaffen dann die passende Gelegenheit, den Kontakt herzustellen.

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