Wie Mittelständler versteckte Ressourcen mobilisieren
Cover: Wie Mittelständler versteckte Ressourcen mobilisieren
ISBN: 3589236531
Verlag: Cornelsen

Komplexitätskosten: Simplify your Company

Aus dem Buch ...
Inhaltsverzeichnis
Vision & Strategie
Ertragspotenzial steigern
Außendienst überlastet?
Gute & schlechte Kosten
Simplify your Company

Die Steigerung der Komplexität ist in der Praxis der am Häufigsten unterschätzte Kostentreiber für Unternehmen. Jede Entscheidung wird auf ihre direkt berechenbaren Folgekosten abgeklopft. Aber der Komplexitätsfaktor wird dabei häufig übersehen oder heruntergespielt. Falsch verstandene Kundenorientierung führt zu einem immer weiter gefassten Produktsortiment. Ungeplantes Wachstum zu einer Vielzahl von Abteilungen, Niederlassungen oder Tochterfirmen, die sich nicht oder nur noch sehr schwer steuern lassen. Die Ausnutzung aller steuerlichen Regeln und die Konstruktion spezieller Steuersparmodelle vernebelt das wirkliche Betriebsergebnis und hebelt die eigentliche Aufgabe von Gewinn- und Verlustrechnung sowie der Bilanz aus.


Die sieben maßgeblichen Komplexitäts-Treiber

  • Kunden
    Jede Kundengruppe hat ihre eigene Denkweise und Ansprüche. Je weiter diese auseinander liegen, desto aufwändiger sind Marketing, Werbung und Vertrieb. Auch die Bedienung unterschiedlicher Vertriebskanäle oder einer Vielzahl von Händlern führt zu erhöhtem Abstimmungsaufwand.

  • Produkte
    Die Auswirkungen eines überbreiten Produktsortiments ziehen sich vom Einkauf über die Lagerwirtschaft und die Produktion bis zum Vertrieb und dem Service. Denken Sie an das Pareto- Prinzip: Mit 20 Prozent Ihrer Produkte erzielen Sie 80 Prozent Ihres Umsatzes.

  • Varianten
    Die Bildung von Varianten ermöglicht die Besetzung von Nischenmärkten. Doch wie oft wird eine Variante wirklich verkauft? Wie viel Umsatz fällt weg, wenn weniger Varianten angeboten werden - und welche Einsparungen stehen dem gegenüber?

  • Abteilungen
    Jede Abteilung bildet ein Eigenleben, hat den Drang, sich auszuweiten und muss mit allen anderen betrieblichen Funktionsbereichen koordiniert werden. Mit jedem zusätzlichen Abteilungsleiter steigt die Anzahl der Besprechungen, Memos und E-Mails. Entscheidungen werden langsamer und die direkte Produktivität fällt.

  • IT-Systeme
    Jede Schnittstelle in einem IT-System muss bei Anpassungen separat ausgetestet werden und ist eine stete Fehlerquelle. Jede abweichende Betriebssystemvariante benötigt andere Updates und Handhabung. 80 Prozent der Total costs of ownership eines Personal Computers werden heute von Programmupdates, vom Personalaufwand für die Installation und Wartung sowie den Kosten durch Ausfallzeiten geprägt, der Anschaffungspreis spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Genormte PCs und einheitliche Software können deshalb die IT-Kosten um mehr als 50 Prozent reduzieren.

  • Lieferanten
    Die Konzentration auf wenige Lieferanten intensiviert die Zusammenarbeit und die in Zukunft immer bedeutender werdende elektronische Einbindung. Von der Just-in-time Lieferung über eine Produktion auf Bestellung geht der Trend zur Vorgabe der vom Lieferanten zu entwickelnden Systemkomponenten. Aber auch die klassischen Preisverhandlungen profitieren davon, wenn die Einkaufskraft sinnvoll gebündelt wird.

  • Technologien
    Die Anzahl der eingesetzten Technologien wirkt sich wesentlich auf Ihre Entwicklungs-, Produktions- und Servicekosten aus. Durch die Konzentration auf wenige, intensiv genutzte Technologien kann der Fertigungsprozess optimiert werden. Wenn diese Technologien sich auf den Service beim Kunden auswirken, potenzieren sich die Service-Kosten für die Pflege der verschiedenen installierten Altsystemen. Aber auch in der Verwaltung gilt es, die Anzahl der eingesetzten Technologien niedrig zu halten. Anwender, die für jeden Handgriff ein Spezialprogramm installiert haben, benötigen mehr Zeit fürs Einlernen und die Aktualisierung der Programme, als sie durch die zusätzlichen Funktionen sparen.

    Anhaltspunkte für die Entwicklung der Komplexität in Ihrem Unternehmen können Kennzahlen geben, die Sie für die letzten drei Jahre bilden sollten. Dazu setzen Sie Ihren Umsatz zu folgenden Bezugsgrößen in Relation
    (Beispiel: Gesamtumsatz / Anzahl Kunden = durchschnittlicher Umsatz pro Kunde):

    • Kunde
    • Kundengruppe
    • Niederlassung
    • Vertreter
    • Lieferant
    • je Kundenauftrag / Lieferantenbestellung
    • je Warengruppe
    • je Artikel
    • je Serie in der Produktion
    • je Abteilung / Kostenstelle

    Grundsätzlich bieten sich bei jedem Komplexitätsproblem drei Lösungsstrategien an:
    Reduzieren, Vermeiden oder Beherrschen.
Reduzieren

Führen Sie in jedem Bereich eine A/B/C-Analyse durch. Konzentrieren Sie sich auf den jeweiligen A-Bereich. Prüfen Sie, auf welche C-Artikel, C-Lieferanten und sogar C-Kunden Sie verzichten können.
Reduzieren Sie Ihre Produktkomplexität, indem Sie Ihr Sortiment möglichst spät in Varianten auffächern. Was wäre, wenn die Produkte erst durch die Konfektionierung im Versand, durch eine Konfiguration beim Händler oder einem Customizing vor Ort durch Ihren Techniker erfolgen würde?
Nutzen Sie möglichst einfache Arten der Differenzierung. Apple bietet seinen Kunden die Möglichkeit, seinen iMac durch die Auswahl der Farbe zu personalisieren. [..]

Vereinfachen

Komplexe Produkte benötigen aufwändigere Beschaffungsvorgänge, erhöhen die Anzahl unterschiedlicher Teile in der Materialwirtschaft, verursachen mehr Rückfragen und Steuerungskosten und führen zu Mehraufwendungen in Beschaffung, Qualitätskontrolle, Kalkulation und Angebotskonfiguration.
Die Grundregel zur Vereinfachung lautet deshalb, alles wegzulassen, was nicht unbedingt erforderlich ist. Viele Funktionen und Ausstattungsmerkmale sind Ergebnis der Mentalität, den maximal möglichen technischen Lösungsumfang zu präsentieren. Dabei werden 80 Prozent dieser Feature vom Anwender nie benötigt. Sie komplizieren den Verkaufsprozess, verlängern die Einweisung und erhöhen die Störungsrate, von den zusätzlichen Produktions- und Entwicklungskosten ganz abgesehen. [..]

Vermeiden

[..] Outsourcing, so das neudeutsche Stichwort, heißt, die Beherrschung einer Funktion jemand anderen zu überlassen. Wenn Aufgabenstellung, Schnittstellen und Folgekosten klar umrissen werden, können so die Verwaltungs- und Managementkosten für die ausgelagerten Bereiche eingespart werden. Gleichzeitig werden die eigentlichen Kosten für diese Leistungen transparent und können direkt auf die verursachenden Abteilungen zugeordnet werden. Anhaltspunkte für das Vermeiden von Funktionen liefert Ihnen das Kapitel zur Prozess- Analyse. [..]


Tipp: Nutzen Sie die Winterpause zum Frühjahrsputz
Wenn das Jahresendgeschäft vollbracht ist, sollten Sie die Gelegenheit nutzen, um Ihre Unternehmensprozesse zu vereinfachen.
Führen Sie einen "Frühjahrsputz" durch und reinigen das Unternehmen von überflüssigem Ballast und Müll:
  • bereinigen Sie Ihr Sortiment
  • prüfen Sie Ihre Kunden auf Rentabilität
  • bündeln Sie Ihre Lieferanten
  • vereinfachen Sie Ihre Abläufe
  • entschlacken Sie Ihre Verfahrensanweisungen

Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter zum Mitmachen, schreiben Sie einen Preis für die beste Idee zur Vereinfachung des Tagesgeschäfts aus.

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