Wie Mittelständler versteckte Ressourcen mobilisieren
Cover: Wie Mittelständler versteckte Ressourcen mobilisieren
ISBN: 3589236531
Verlag: Cornelsen

Ist ihr Aussendienst überlastet?

Aus dem Buch ...
Inhaltsverzeichnis
Vision & Strategie
Ertragspotenzial steigern
Außendienst überlastet?
Gute & schlechte Kosten
Simplify your Company
Schwacher Markt / starke Konkurrenz / teure Produkte

Die beliebtesten Antworten von Verkäufern auf die Frage, wieso ein anvisiertes Umsatzwachstum nicht realisiert wurde, sind:

"Wir haben ...

  • eine Rezession
  • einen schwachen Markt
  • einen starken Wettbewerb
  • zu teure Produkte."
Grundsätzlich mögen diese Aussagen zwar richtig sein, doch sie weisen nicht auf operative Engpässe hin. Immer wieder beweisen Firmen, dass man auch in einer Rezession bei starkem Wettbewerb ohne Dumpingpreise wachsen kann.
Diese exogenen Erklärungsansätze sind nur dann zu berücksichtigen, wenn das Unternehmen einen so hohen Marktanteil hat, dass ein Umsatzwachstum auf Kosten der Konkurrenz nicht mehr möglich ist. Oder aber, wenn die Produkte aufgrund technischer Veränderungen dauerhaft substituiert werden, wie es beispielsweise beim Wechsel von der Schreibmaschine zum PC der Fall war.
Oder anders gesagt, dies sind nicht die Engpässe, die wir suchen. Lassen Sie solche Ansätze nicht gelten. Diese Rahmenbedingungen mögen das Projekt erschweren, sind aber nur mittel- und langfristig veränderbar und fallen damit in das Kapitel Visionen & Strategie.


Erhöhen Sie die AVZ - Aktive Verkaufszeit

Die optimale Ausgangssituation für eine effektive Steigerung der AVZ ist eine genaue Analyse des bisherigen Zeitmanagements Ihrer Vertriebsmitarbeiter. Dazu sollte jeder Verkäufer für zwei Wochen jeden Tag alle Aktivitäten, also jedes Telefonat, jedes Schriftstück, jedes Gespräch und jede Fahrt notieren. Allerdings reagieren Verkäufer vielfach auf ein solches Ansinnen sehr empfindlich. Sie wittern darin Schikane, Kontrolle und Kritik an der bisherigen Arbeitsleistung. Bevor Sie solche Zeitanalysen veranlassen, erläutern Sie deshalb die angestrebten Ziele. Ansonsten kann es vorkommen, dass Ihre Mitarbeiter notieren, was Sie glauben, dass sie getan haben sollten. Optimaler Weise haben Sie in Vorbereitung für dieses Gespräch mit Ihrem Projekt-Team schon Ideen entwickelt, wie Ihre Firma durch die Schaffung oder Stärkung des Innendienstes dem Vertrieb zukünftig die Fokussierung auf die Aktive Verkaufszeit erleichtern könnte. Nachfolgend ein paar Anregungen:

Stellen Sie eine Vertriebs-Assistenz zur Verfügung

Stellen Sie einen Mitarbeiter aus dem Vertriebs-Innendienst oder dem Sekretariatsbereich von einem Großteil der bisherigen Aufgaben frei und ernennen ihn zur Vertriebs-Assistenz. Erfahrungsgemäß gibt es bei den meisten Firmen im Verwaltungsbereich noch Einsparungspotenzial. Weitere Hinweise hierzu finden Sie im Bereich "Kosten". Aufgabe der Vertriebs-Assistenz ist die größtmögliche Entlastung Ihres Außendienstes von allen Tätigkeiten, die mit keinem persönlichen Kundenkontakt verbunden sind.

Schaffen Sie alle überflüssigen Berichte und Besprechungen ab

Streichen Sie alle Verwaltungstätigkeiten für Ihre Vertriebsmitarbeiter. Beginnen Sie bei Ground-Zero und fragen sich dann, welche Aufgaben wirklich vom Verkäufer erledigt werden müssen. Jede Minute, die Ihr Verkäufer weniger in Besprechungen verbringt, kann er in die geplante Umsatzsteigerung investieren.

Delegation von Kunden an den Innendienst

Überlegen Sie, ob Ihre B- und C-Kunden wirklich regelmäßige Besuche Ihres Außendienstes benötigen. Übergeben Sie diese Kunden in die Obhut Ihres Innendienstes oder, wenn das nicht geht, verlängern Sie zumindest den Besuchsrhythmus. Zumindest C-Kunden sollten zukünftig vollständig per Telefon, EMail und Fax betreut werden. Um trotzdem den persönlichen Kontakt zu halten, bieten Sie Workshops und Seminare in Ihrem Hause und in Hotels in den jeweiligen Vertriebsregionen an.

Übergabe der Nachfass-Aktionen an die Vertriebs-Assistenz

Das telefonische Nachfassen von Angeboten ist heute wichtiger denn je. Allerdings kostet es viel Zeit, da Entscheider nur selten erreichbar sind. Überlassen Sie das Nachfassen der Vertriebs-Assistenz.

Zentrale Terminkalender und -vereinbarungen

Die Terminkalender Ihrer Verkäufer sollten zentral durch die Vertriebs-Assistenz geführt werden. Sie entlasten damit Ihre Mitarbeiter und haben gleichzeitig eine direkte Kontrolle über deren Aktive Verkaufszeit.
Falls bisher noch nicht geschehen, führen Sie dabei elektronische Kalender ein. MS Outlook, Lotus Notes und andere Produkte erlauben es, dass jeder von seinem Arbeitsplatz aus direkt die Kalender seiner Kollegen einsehen, Einträge vornehmen oder zu Besprechungen einladen darf. Sie benötigen weniger Zeit für Terminabstimmungen und steigern gleichzeitig die interne Transparenz.

Delegieren der telefonischen Kalt-Akquise

Es wird immer zeitaufwändiger, neue Kunden per Telefon zu akquirieren und einen Besuchstermin zu vereinbaren. Immer mehr Dienstleistungsfirmen, Call-Center genannt, haben sich auf diese Aufgabe spezialisiert. Die Auslagerung der Telefon- Akquise an solche Call-Center muss allerdings gut vorbereitet werden. Viele Versuche im Firmenkundengeschäft scheitern beispielsweise an der fehlenden Produkt- und Firmen- Kompetenz der Interviewer. Schon eine einzige gezielte Rückfrage des kontaktierten Entscheiders kann zum Abbruch des Telefonats und einer Verärgerung des potentiellen Kunden führen.
Der sanftere, langfristig erfolgreichere Weg ist der Aufbau einer eigenen Telefon-Mannschaft. Ihre Mitarbeiter identifizieren sich mit Ihrem Unternehmen, kennen das Produktportfolio, können ihr Know-how immer weiter vertiefen und haben im kritischen Fällen sofortigen Zugriff auf Ingenieure, Vertrieb und Management.
Dafür fehlt Ihren Mitarbeitern die Erfahrung in der Telefon-Akquise. Investieren Sie in eine diesbezügliche Schulung und entwerfen dann in Zusammenarbeit mit Ihren Verkäufern einen passenden Telefon-Leitfaden. Nehmen Sie sich hierfür ausreichend Zeit, denn die Qualität dieses Leitfadens bestimmt in Zusammenspiel mit der passenden Zielgruppe über den Erfolg Ihrer Telefonaktionen.
Es zählt nicht die Anzahl der Kontakte, sondern deren Qualität. Deshalb ist es zu kurz gedacht, eine externe Agentur nach Anzahl Terminvereinbarungen zu bezahlen. Im Ergebnis reduzieren Sie durch jeden Besuch bei einem noch nicht gereiften Kunden Ihre Aktive Verkaufszeit. Der dramaturgische Aufbau Ihres Interview-Leitfadens sowie die richtige Ausgestaltung Ihres Kunden-Radars spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Doch auch der Verkäufer selbst kann durch den richtigen Umgang mit seiner Zeit seine Aktive Verkaufszeit drastisch erhöhen. Schicken Sie jeden Verkäufer auf ein Seminar zum Thema Zeitmanagement. Es gibt außerhalb des Managements kaum eine Tätigkeit, die so selbstbestimmt und damit von einem effizienten Zeitmanagement abhängig ist wie die eines Verkäufers. Schon die Befolgung der folgenden Tipps wird die Produktivität Ihres Vertriebs erhöhen:

die Besuchszeit noch gezielter planen

Nicht jeder Kunde und nicht jedes Gespräch benötigt die gleiche Zeit. Mit einer guten Vorbereitung und einer straffen Gesprächsführung können viele Verkaufsgespräche abgekürzt werden. Bei langatmigen Kunden kann es sinnvoll sein, die Termine kurz vor der Mittagspause oder den Feierabend zu legen, um die Besprechungen abzukürzen.

die Anzahl Besuche reduzieren

Ein guter Verkäufer findet schon im Telefonat heraus, wer der eigentliche Entscheider ist und stellt sicher, dass dieser an dem Gespräch teilnimmt. So spart er manch einen Folgetermin. In anderen Fällen ergibt ein zielgerichtetes Nachfragen, dass gar kein persönlicher Besuch erforderlich ist. Manche Aufgabe lassen sich schon am Telefon erledigen, andere kann ein Service-Mitarbeiter bei seinem nächsten Besuch klären. Viele Verkäufer vergessen auch, den Kunden ins Haus einzuladen und vergeben sich damit die Gelegenheit, die Fahrzeit einzusparen.
Durch eine regelmäßige, präventive Telefonbetreuung sowie feste Besuchstermine können übrigens bei Stammkunden die Störungen durch ad-hoc-Besuche auf ein Mindestmaß reduziert werden. Solche Jour fixe vereinfachen auch die Streckenplanung und die Optimierung der Fahrtzeiten.

die Fahrzeiten optimieren

Um die Möglichkeiten elektronischer Routenplaner und der dadurch vereinfachten Fahrzeiten-Optimierung nutzen zu können, muss der Verkäufer seine Besuche pro-aktiv planen. Wer die geplanten Besuche in einem Wiedervorlage-System griffbereit hat, kann nach einer Terminvereinbarung schnell und einfach sehen, welche Aufgaben er ohne große Fahrzeiten in der Nähe dieses Kunden noch erledigen kann.
Durch eine flexible Arbeitszeitgestaltung kann der Verkäufer seine Termin so legen, dass er vor bzw. nach den Hauptverkehrszeiten reist. Dadurch lassen sich die Fahrzeiten im Schnitt um 35 % abkürzen. Dadurch wird bei gleicher Arbeitzeit ein weiterer Besuch ermöglicht.

Angebotserstellung und Kalkulation optimieren

Setzen Sie Standards für Schriftverkehr und Angebote. Sie stellen damit einen qualitativ hochwertigen Auftritt sicher und verkürzen die Zeiten zur Brief- und Angebotserstellung. Durch die Entwicklung von optimierten Kalkulationsvorlagen lässt sich auch dieser Arbeitsschritt abkürzen.
Vereinfachen Sie vor allem die Erstellung von B- und C-Angeboten sowie die Übersendung von Katalogen und Preislisten. Lassen Sie den Verkäufer die gewünschte Maßnahmen auf seinem Besuchsbericht ankreuzen und an den Innendienst delegieren. Falls Ihre Verkäufer mit Notebooks arbeiten, erstellen Sie eine entsprechende E-Mail- oder Word-Vorlage.

Telefonzeiten minimieren

Handys und Freisprechanlagen ermöglichen es zwar, viele Rückrufe schon unterwegs zu erledigen. Durch die zunehmende Nutzung dieser Möglichkeiten schwillt aber die Anzahl der Rückrufnotizen auf der Mailbox und im Büro an. Die Rückrufnotizen sollten nach Priorität sortiert werden. B- und C-Anrufe können delegiert oder während der Fahrzeiten erledigt werden. Alle Anrufe mit hoher Priorität sollten zusammengefasst und in einem Telefonzeiten-Block abgearbeitet werden. Auch bei Telefonaten gilt: das beste Telefonat ist das Eingesparte. Geben Sie Ihrem Vertrieb deshalb Checklisten an die Hand und stellen damit sicher, dass schon im Verkaufs- und Abschlussgespräch alle relevanten Fragen geklärt werden.

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